Kurzinformationen Ruanda



Ruanda ist ein kleiner (26.338 km²), dicht bevölkerter Binnenstaat in Zentralafrika. Er grenzt an Burundi, die Demokratisch Republik Kongo, Uganda und Tansania. Auf seinem Staatsgebiet verläuft die afrikanische Hauptwasserscheide zwischen den Einzugsgebieten des Nil und des Kongo (Zaire). Ruanda erhielt seine Unabhängigkeit 1962 (UNO-Mandatsmacht Belgien) und ist 2009 Mitglied des Commonwealth. Bemerkenswerte Erfolge sind bei Gesundheitsversorgung, Ernährungssicherung und Grundschulbildung zu verzeichnen. Dank seiner Nulltoleranzstrategie beim Kampf gegen die Korruption steht Ruanda laut Transparency International an viertbester Stelle in Afrika und auf dem 49. Platz weltweit. Trotz zahlreicher Fortschritte leben jedoch 56,9 Prozent der Bevölkerung von weniger als 1 US-Dollar am Tag. Mit 2,7 Prozent jährlich ist die Bevölkerungswachstumsrate weiterhin hoch.

Leben & Sprache
Ruanda ist ein sehr fruchtbares Land, über 80 % der Gesamtfläche werden landwirtschaftlich genutzt. Die so gewonnenen Produkte werden vorrangig für den Eigenbedarf und die lokalen Märkte produziert. Der Markt ist insbesondere in den ländlichen Gebieten Kommunikations- und Versorgungsmittelpunkt für alle Notwendigkeiten des alltäglichen Lebens. Der Alltag findet häufig im Freien und somit in der Öffentlichkeit statt. 98,3 % der Bevölkerung sprechen Kinyarwanda als ihre Muttersprache. Französisch wurde als offizielle Staatssprache nach dem Genozid in 1994 durch Englisch ergänzt; Schulunterricht findet daher seit einigen Jahren in Englisch statt.

Gesundheit
Die Bevölkerung Ruandas gehört zu den Ärmsten der Welt. Auf einen Arzt kommen etwa 25.000 Einwohner. Die durchschnittliche Lebenserwartung beträgt ca. 51 Jahre.

Wirtschaft
Das GDP (Bruttosozialprodukt) liegt seit 2003 konstant bei einem jährlichen Wachstum von 6-8%. In 2015 lebten 39% nach Angaben der Regierung unterhalb der Armutsgrenze. Das ist im Vergleich zum Jahr 2006 mit über 57% eine deutliche Verbesserung der Einkommenssituation. Trotz des hohen Wirtschaftswachstums der letzten Jahre gehören Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung weiterhin zu den größten Herausforderungen Ruandas. Die Mehrheit der Bevölkerung arbeitet in der Landwirtschaft, die dort erzielten Einkommen sind niedrig. Zudem steigt die Zahl der auf den Arbeitsmarkt drängenden jungen Menschen kontinuierlich an. Die Förderung von Beschäftigung steht weit oben auf der nationalen Entwicklungsagenda. Ruanda möchte die berufliche Qualifizierung verbessern, die Privatwirtschaft fördern und in den Arbeitsmarkt intervenieren. Ruanda plant jährlich 200.000 neue Arbeitsplätze zu schaffen und bis 2020 ein Land mittleren Einkommens zu werden.

Landschaft
Die hügelige Weite in großen Teilen des Landes ist besonders für Europäer beeindruckend. Landwirtschaftlich genutzte Anbauflächen mit Tee- und Kaffeeplantagen, Bananenstauden und anderen Nutzpflanzen schmiegen sich sanft an die Berghänge. Dazwischen lassen sich Häuser der Ruander erkennen, die meist direkt auf ihren Feldern leben und arbeiten. Für die meisten ist es allerdings kaum möglich, eine Familie von den Erzeugnissen des eigenen Grund- und Bodens zu ernähren. Die hohe, stetig steigende Bevölkerungsdichte (in 2016: ca. 468 Menschen/km²) und notwendige Schul- und Berufsbildung bleiben auch zukünftig große Herausforderungen für die ruandische Gesellschaft.

Tourismus
Das „Cultural Village“ in Nyanza, der alten Hauptstadt des Königreiches Ruanda, gibt Besuchern des Landes einen Einblick in die Kultur und in das Leben der Ruander vor dem Eintreffen der Europäer. Auch der Akagera Nationalpark und der Nyungwe Urwald im Grenzgebiet zu Burundi sind ebenso wie die wildromantische Schönheit der Region des Kivu-Sees eine Reise wert. Die vorbildliche Regulierung der Regierung im Umgang mit geschützten Landschaftsgebieten bietet Fauna und Flora den notwendigen Schutz vor Raubbau und Vernichtung. Insbesondere Trekking-Touren im Virunga Nationalpark oder auch ein Besuch der einzigartigen Gorilla-Familien zählen zu den touristischen Highlights Ruandas.

Energie & Umwelt
Als zunehmend schwierig und belastend für Wirtschaft und Bevölkerung erweist sich die Energiesituation. Klimatische Veränderungen haben dazu geführt, dass die ruandischen Seen nicht mehr ausreichend Regenwasser aufstauen, um Stromgeneratoren entsprechend antreiben zu können. Die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und Energieimporten aus den Nachbarstaaten steigt dadurch. Etwa 21 % der Bevölkerung haben bisher einen Stromanschluss- der Vergleich zu 2007 mit lediglich etwa 4% der Bevölkerung mit Stromanschluss hatten zeigt die enormen Anstrengungen, die für eine Verbesserung der lebens-und Arbeitsbedingungen unternommen werden. Auch der Bedarf an Trinkwasser nimmt durch das Bevölkerungswachstum kontinuierlich zu. Eine Chance zur Verbesserung der Energiesituation liegt in der Erschließung und Verwertung der Methangasvorkommen des Kivu-Sees. Die Anlage wurde 2016 erfolgreich in Betrieb genommen. Darüber hinaus ist die Suche nach alternativen Energieträgern und deren sinnvolle Nutzung eine bleibende Herausforderung.

Genozid
Der Völkermord 1994 ist eines das dunkelsten Kapitel in der jüngeren ruandischen Geschichte. Innerhalb von hundert Tagen starben etwa 1 Million Menschen während der Auseinandersetzungen zwischen Batutsi und Bahutu. Felder und Flüsse waren sprichwörtlich mit dem Blut von Menschen getränkt. Es gab keine Familie, die nicht in irgendeiner Weise durch das Morden betroffen war. Die Gedenkstätten im ganzen Land erinnern an die schrecklichen Ereignisse der Frühjahres 1994. Versöhnungsinitiativen aus dem In- und Ausland tragen dazu bei, die Verarbeitung der Geschehnisse zu ermöglichen. Heute, mehr als 20 Jahre nach dem Völkermord, stellt sich Ruanda als ein ruhiges und progressives afrikanisches Land dar.

Fauna & Flora
Ruanda war bis vor einigen hundert Jahren vom Virunga-Gebirge (Norden) bis an die Grenzen Burundis (Süden), selbst in den Ebenen zwischen den Gebirgsketten, vollständig mit Bergnebelwald bedeckt. Im Osten liegen schon seit Jahrtausenden Baumsavannen, in denen Akazien die dominierenden Gewächse sind. Der Nyungwe-Wald beherbergt– als einzig verbliebener Bergregenwald – eine beachtliche Biodiversität mit vielen einheimischen Arten. In den dicht bewohnten Gebieten Ruandas werden vor allem Ziegen, Rinder und Kühe als Nutztiere gehalten. Der Akagera-Nationalpark mit Gras-Baum-Savannen, Sumpfgebieten und Seen beherbergt zahlreiche Herden Zebras, Impalas, Topis und Wasserbüffel. Auch kleinere Herden unterschiedlicher Antilopen-Arten sowie einige Elefanten und Giraffen, Löwen und Leoparden kann man dort finden. An den Gewässern leben neben einer vielfältigen Vogelfauna Nilpferde und Krokodile.

Religiosität
Traditionell ist Ruanda ein vom Monotheismus (der Glaube an einen Gott – Imana) geprägtes Land. Dennoch kommt auch heute noch der Ahnenverehrung eine bedeutende Rolle zu. Durch den Einfluss von europäischen Missionaren seit Anfang des 19. Jhd. nimmt mittlerweile die christliche Religion eine starke Stellung ein. Der christliche Glaube ist fast überall vertreten und wirkt sehr lebendig, vor allem, wenn man die zahlreichen Kirchen und aktiven Gemeinden als Maßstab nimmt. Über 50% der Bevölkerung sind katholisch und mehr als 25 % sind Protestanten. Es gibt es eine wachsende islamische Gemeinde in Ruanda, die über 5 % der Bevölkerung ausmacht.

Bildung
Durch die verheerenden Ereignisse des Genozids 1994 verschlechterte sich die Bildungssituation der ruandischen Kinder- und Jugendlichen dramatisch. In den vergangenen Jahren wurde das Bildungswesen neu organisiert. Schulpflicht besteht bis zum 16. Lebensjahr. Über 90 % der Kinder und Jugendlichen haben so die Möglichkeit, eine grundlegende Schulausbildung zu bekommen. Anschlussqualifikationen in Studium oder Beruf sind allerdings nicht selbstverständlich, da einerseits die Bereitstellung von entsprechenden Studien- und Ausbildungsplätzen insbesondere in ländlichen Gebieten stark ausbaufähig ist. Andererseits ist die individuelle Mobilität und die Finanzierung der anfallenden Bildungskosten für Ruander mit einem durchschnittlichen Einkommen unter 300 € jährlich kaum leistbar.

zusammengestellt von T. Bluthardt, tim.bluthardt@serviceart.org 10/2017
Textquellen: Iwanowski, Michael. Uganda und Ruanda. Dormhagen: Reisebuchverlag Iwanowski, 2007; https://www.giz.de/de/weltweit/20792.html; https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/rw.html